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Stille Reserven

In vielen Unternehmen liegen stille Reserven vor. Die Art der Rücklage ist nicht verboten, darf aber nur eingeschränkt durchgeführt werden, um die Prinzipien der Bilanzklarheit und der Bilanzwahrheit zu wahren. Die Bildung stiller Reserven verringert den ausgewiesenen Gewinn eines Unternehmens und führt vorerst zu geringeren Steuerzahlungen.

Was sind stille Reserven?

Stille Reserven, auch stille Rücklagen genannt, sind Werte, die nicht in der Bilanz ausgewiesen werden. Sie können auf der Aktiv- und der Passivseite entstehen. Die Rücklagen sind die Differenz zwischen der Bewertung eines Postens in der Bilanz und seinem tatsächlichen Wert, zu dem er dann schließlich aufgelöst wird. Die Höhe von stillen Rücklagen kann deshalb erst bei der Auflösung genau bestimmt werden.

Wie entstehen stille Reserven?

Stille Reserven auf der Aktivseite entstehen durch die Unterbewertung von Aktiva, also Gütern und Vermögensgegenständen. Wird zum Beispiel eine selbst entwickelte Software in die Bilanz aufgenommen, darf sie nur mit ihren Herstellungskosten ausgewiesen werden. Die Kosten sind vermutlich geringer als der Preis, zu dem Software später einmal verkauft werden könnte. Auch ein Auto, das nach Abschreibung nur noch mit 1.000€ bewertet wird, aber einen Marktwert von 5.000€ hätte, erzeugt eine stille Rücklage in Höhe von 4.000€. Stille Reserven auf der Passivseite entstehen durch die Überbewertung von Passiva, also Schulden und Verbindlichkeiten. Wenn Sie Rücklagen für einen anstehenden Gerichtsprozess bilden und die tatsächlichen Kosten dann geringer sind als die erwarteten, entsteht eine stille Reserve. Auch Rücklagen für Rechnungen können höher ausfallen als die tatsächliche Rechnung.

Wo stehen stille Reserven in der Bilanz?

Stille Reserven stehen nirgendwo in der Bilanz, weshalb sie als still bezeichnet werden. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Buchwertnirgendwo ersichtlich ist. Erst nachdem sie aufgelöst wurden, stehen sie als „sonstiger betrieblicher Ertrag“ in der Bilanz.

Stille Reserven – gut oder schlecht?

Es gibt Vor- und Nachteile von stillen Rücklagen. Die Steuerersparnis im ersten Moment ist einer der Vorteile. Durch den geminderten Gewinn müssen Sie weniger Steuern zahlen als wenn die Rücklagen nicht existieren würden. Allerdings ist die Bilanz am Ende des Geschäftsjahres nicht mehr so aussagekräftig, wenn der Gewinn gemindert ist. Der tatsächliche Wert des Unternehmens weicht vom Buchwert ab. Wenn der Gewinn des Unternehmens laut Bilanz geringer ist, erhalten die Anteilseigner außerdem eine geringere Dividende. Allerdings müssen stille Reserven auch wieder aufgelöst werden. Wenn das passiert, wird der Gewinn sozusagen korrigiert. Dann müssen die vorher eingesparten Steuern gezahlt werden und die Aktionäre erhalten ihre Dividenden in korrekter Höhe.

Wie werden stille Reserven aufgelöst?

Außer bei Grundstücken und Beteiligungen, deren Rücklagen als dauerhaft anzusehen sind, müssen stille Reserven irgendwann aufgelöst werden. So können Vermögensgegenstände zum Beispiel verkauft werden. Die Differenz zwischen Buchwert und Verkaufspreis wird dann in der Buchhaltung als „sonstiger betrieblicher Ertrag“ ausgewiesen. Damit erhöht sich der Gewinn laut Bilanz. Ebenso können passive stille Rücklagen aufgelöst werden, wenn zum Beispiel ein Prozess gewonnen wurde und die Kosten niedriger waren als erwartet. Die Auflösung funktioniert ähnlich wie bei der von Aktivposten, die Differenz wird als „sonstiger betrieblicher Ertrag“ verbucht.