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Banner für neue Auto Kaufprämie – Verkehrskreuzung aus der Vogelperspektive

Neue Auto Kaufprämie für Elektroautos und Verbrenner? – Alle Infos zur geplanten Förderung

Im Zuge der Corona-Krise fordern Automobilindustrie und Teile der Politik eine Erweiterung der E-Auto Prämie sowie einen neuen Umweltbonus für Verbrenner. Es gibt allerdings auch Kritik an den Forderungen. Wir fassen die Diskussion um die geplanten Maßnahmen zusammen.

Die durch das Coronavirus ausgelöste Wirtschafts-Krise hat unter anderem die Automobilbranche stark getroffen. In Deutschland wurden im März 2020 fast 38 Prozent weniger neue Autos im Vergleich zugelassen als im März 2019. Neben der gesunkenen Nachfrage sah sich die Industrie außerdem mit Fabrikschließungen aufgrund von Ausgangsbeschränkungen im Rahmen des Infektionsschutzes konfrontiert. Die Folge waren Forderungen aus der Branche nach einer Kaufprämie für Neuwagen. Damit soll die Anschaffung eines Neufahrzeugs für Verbraucher*innen günstiger werden. Auch Vertreter*innen aus der Politik sprachen sich für eine Kaufprämie aus. Ziel ist eine steigende Nachfrage und damit eine Erholung der Automobilindustrie.

Streit um die neue Auto Kaufprämie

Über den genauen Umfang der Förderung sind sich Industrie, Politik und Expert*innen allerdings nicht einig. Die Autobranche fordert eine pauschale Kaufprämie für alle neuen Autos. Zahlreiche Stimmen aus der Politik und Gesellschaft argumentieren jedoch, dass bei Entscheidungen über finanzielle Förderungen der Autoindustrie der Klimaschutz im Fokus stehen sollte. Sie berufen sich auf die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie, nach der alle (wirtschafts-)politischen Entscheidungen unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit betrachtet werden müssen. Dazu gehört unter anderem der Ausbau von Elektromobilität und die Abschaffung von Verbrennungsmotoren.

Verschiedene Stimmen aus der Politik fordern daher eine reine E-Auto Prämie. Einige Politiker und Experten stehen einer Unterstützung der Automobilindustrie sogar komplett kritisch gegenüber. Wir haben die Diskussion zu den geforderten Maßnahmen für Sie zusammengefasst.

Corona-Krise: Neue “Abwrackprämie” 2020?

Teil der Forderungen aus der Industrie ist eine neue sogenannte “Abwrackprämie”. Eine solche Prämie bei der Neuanschaffung eines Autos gab es während der Finanzkrise 2009 schon einmal unter dem offiziellen Namen “Umweltprämie”. Dabei wurde Verbraucher*innen unter bestimmten Voraussetzungen eine Kaufprämie von 2.500 Euro bei der Anschaffung eines neuen Autos gewährt, wenn Sie dafür ihr altes Auto verschrotten ließen.
Rückblickend bezeichnen viele Expert*innen die Abwrackprämie als ineffizient und insbesondere klimapolitisch wirkungslos. Durch relativ niedrige Anforderungen beim Schadstoffausstoß kamen fast alle Neufahrzeuge seinerzeit für die Förderung in Frage. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die Abwrackprämie in Deutschland daher zu deutlich geringeren Emissionseinsparungen geführt als ähnliche Programme in anderen Ländern. Die angestrebte Förderung nachhaltigerer Mobilität blieb damit aus.

Bisheriger BAFA Umweltbonus – Die “E-Auto Prämie”

Aktuell erhalten Verbraucher*innen in Deutschland beim Kauf oder Leasing eines Plug-in-Hybrid- oder Elektroautos eine besondere Prämie. Die auch “Umweltbonus” genannte Maßnahme zur Förderung der Elektromobilität wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) bewilligt. Sie wird jeweils zur Hälfte vom Bund und dem jeweiligen Herstellerunternehmen bezahlt. Seit 18.02.2020 beläuft sich die “E-Auto Prämie” auf bis zu 6.000 Euro für ein reines Elektroauto. Beim Kauf oder Leasing eines Plug-in-Hybridfahrzeugs erhalten Verbraucher*innen eine Prämie bis zu 4.500 Euro. Der neue Umweltbonus gilt für alle Fahrzeuge, die nach dem 04.11.2019 zugelassen wurden. Alle weiteren Informationen zur Elektroauto-Prämie finden Sie auch in unserem Magazin.

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Diskussion um die neue Auto Förderung

Für Vertreter*innen der Autoindustrie ist der Umweltbonus für Hybrid- und Elektrofahrzeuge nun nicht mehr ausreichend. Der starke Rückgang in der Nachfrage im ersten Quartal 2020 hat Spuren bei den Herstellern hinterlassen. Die Branche meldet durchweg gesunkene Umsätze und Gewinne. Viele Unternehmen haben daher bereits ihre Jahresprognose für 2020 wesentlich nach unten korrigiert. Nun fordern Sie erweiterte Maßnahmen, um die Nachfrage anzukurbeln.

Kaufprämien – Forderungen der Automobilbranche

Die großen deutschen Automobilkonzerne sprechen sich für eine Prämie aus, die neben Elektroautos auch für Verbrenner gilt. Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Ola Källenius forderte “eine einfache und pauschale Kaufprämie”. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), sprach sich ebenfalls für eine Förderung von Autos aller Antriebsarten aus. Sie forderte außerdem eine schnelle Entscheidung, um für Klarheit zu sorgen.

Volkswagen-Chef Herbert Diess betonte ebenfalls, dass eine Förderung unabhängig von der Antriebsart des Autos sein müsse: nicht nur die Hersteller, sondern auch die gesamten Lieferketten der Branche seien von der Krise betroffen. Insgesamt arbeiten 2020 in Deutschland etwa 800.000 Menschen in der Autoindustrie. Er drängte weiterhin auf eine schnelle Entscheidung für Kaufprämien von Seiten der Bundesregierung. Ziel ist, die deutsche Automobilbranche zu fördern und sie als Motor zum Antrieb der gesamten deutschen Wirtschaft zu nutzen. So könne die bundesweite Konjunktur positiv beeinflusst werden. 

Verbrenner und Elektroauto Förderung – Meinungen in der Politik

Die Ministerpräsidenten der drei “Autoländer” Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen, in denen ein Großteil der deutschen Autoindustrie ansässig ist, haben eine gemeinsame Forderung für Kaufprämien vorgestellt. Markus Söder (CSU), Winfried Kretschmann (Grüne) und Stephan Weil (SPD) hatten dazu Anfang Mai eine Telefonkonferenz abgehalten. Folgende Forderungen haben sie erarbeitet:

  • 3.000 Euro Prämie bei der Anschaffung eines modernen Benziners oder Diesels ab Schadstoffklasse 6d-temp 
  • 4.000 Euro zusätzlich zur bereits bestehenden BAFA Prämie für Plug-in-Hybride und Elektroautos sowie wasserstoffbetriebene Fahrzeuge
  • 1.000 Euro Abwrackprämie zusätzlich, wenn bei der Anschaffung ein Auto mit Euro-3 oder Euro-4-Abgasnorm abgegeben wird

Kritik an den Vorschlägen zu Auto Kaufprämien kommt unter anderem von SPD und Grünen. Der SPD-Vorsitzende Norbert Walter-Borjans betonte, bei staatlichen Hilfen müsse vor allem Wert auf den richtigen Zeitpunkt gelegt werden. Durch die aktuell für viele Privatpersonen unklare und wirtschaftlich unsichere Situation würden finanzielle Förderungen nicht helfen, die Nachfrage anzukurbeln. Grünen-Chef Robert Habeck stellt die Notwendigkeit für Förderungen der Automobilbranche angesichts hoher Gewinne in den Vorjahren generell in Frage. Beide kritisieren zudem die Entscheidung einiger Hersteller, weiterhin Boni und Dividenden an die Mitarbeiter*innen und Aktionär*innen auszuzahlen.

Finanzminister Olaf Scholz äußerte sich dazu ebenfalls kritisch: "Ich glaube, dass viele verstanden haben, dass wenn man Staatshilfe in Anspruch nimmt, das Zahlen von Dividenden und Boni eine sehr komplizierte Idee ist, um es einmal höflich auszudrücken."

Der SPD-Politiker betonte außerdem, dass es nicht zu einer schnellen Umsetzung der Förderung kommen wird. Mögliche Kaufprämien würden frühestens Anfang Juni 2020 als Teil eines breiten Konjunkturprogramms verabschiedet. Dies hatte auch Kanzlerin Angela Merkel betont. Vertreter der Autoindustrie hatten sich bereits aus dem ersten “Autogipfel” am 05. Mai erste Ergebnisse erhofft. 

Expert*innen fordern reine E-Auto Prämie

In Expert*innenkreisen gibt es vor allem Kritik an den Plänen für die Förderung von benzin- und dieselbetriebenen Autos. Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) nennt die Prämien für Verbrenner einen “sozial ungerechten, ökologischen und ökonomischen Unsinn”. Um die Pariser Klimaziele einzuhalten, müssten vor allem emissionsfreie Autos gefördert werden. Des Weiteren sei die Autoindustrie durch Maßnahmen wie Kurzarbeitergeld und direkte Wirtschaftshilfen ohnehin weniger von der Krise betroffen als andere Branchen.

Die Wirtschaftswissenschaftlerin Monika Schnitzer bezeichnete die Pläne als “puren Lobbyismus”. Grund für die Forderung sei lediglich, dass die deutschen Hersteller Trends wie Elektromobilität oder Wasserstofftechnologie “verschlafen” hätten.

Elektromobilität soll gefördert werden

Christian Hochfeld vom Thinktank Agora Verkehrswende sieht in einer Förderung von Elektromobilität Vorteile für die Automobilbranche. Ein gesteigerter Absatz von Plug-in-Hybriden und Elektroautos helfe den Unternehmen nicht nur kurzfristig, sondern steigere mittel- und langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Hersteller.

Der Vorschlag einer neuen Abwrackprämie stößt bei Beobachter*innen der Branche ebenfalls auf Kritik. Unter anderem warnte Klaus Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands, vor einer solchen Maßnahme. Er kritisierte, dass funktionstüchtige Autos damit zu Wegwerfprodukten gemacht würden. Müller forderte von Bund und Ländern, bei etwaigen Maßnahmen umweltverträgliche Mobilität in den Mittelpunkt zu stellen.

Harsche Kritik sowohl an einer neuen Abwrackprämie als auch an einer Prämie für Verbrenner kam nicht zuletzt von Umweltverbänden. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deustchland (BUND) nannte die Förderung von Verbrennern eine “Anti-Innovationsprämie”. Aktivist*innen von Fridays for Future und Greenpeace protestierten unterdessen vor dem Berliner Reichstag gegen eine erneute Abwrackprämie.

Vertreter*innen anderer Branchenverbände betrachten die geplanten neuen Förderungen ebenfalls kritisch. Sie sehen sich gegenüber der Automobilbranche benachteiligt.

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Wir halten eine Kaufprämie zur Unterstützung der angeschlagenen Autoindustrie für eine sinnvolle und potentiell effektive Idee. Voraussetzung sollte allerdings sein, dass der Aspekt der nachhaltigen Mobilität maßgeblich in die Entscheidung der Politik einfließt.

Neue Kaufprämien für E-Autos und Verbrenner – Fazit

Angesichts der Corona-Krise fordert die Automobilbranche von der Politik schnelles und umfassendes Handeln sowie einfache, pauschale Kaufprämien, die für alle Antriebsarten gelten. Die Ministerpräsidenten der “Autoländer” haben bereits einen entsprechenden Vorschlag vorgelegt.

Gleichzeitig gibt es aus der Politik sowie von zahlreichen Expert*innen und Beobachter*innen der Branche Kritik an einer Kaufprämie. Auch eine neue Abwrackprämie lehnen viele ab.

Wir halten eine Kaufprämie zur Unterstützung der angeschlagenen Autoindustrie für eine sinnvolle und potentiell effektive Idee. Voraussetzung sollte allerdings sein, dass der Aspekt der nachhaltigen Mobilität maßgeblich in die Entscheidung der Politik einfließt. Besonders eine erweiterte Prämie für Hybrid- und Elektroautos bietet sich deswegen an. Auch eine Förderung von neuen, technisch aktuellen Dieseln oder Benzinern mit der höchsten Abgasnorm Euro 6d lässt sich durchaus rechtfertigen, da diese Fahrzeuge im Realbetrieb mit sehr geringen Schadstoffausstößen unterwegs sind. Hier bietet sich eine Staffelung der Prämien an, nach der elektrisch betriebene Fahrzeuge höher bezuschusst werden als Verbrenner.

Welche Maßnahmen tatsächlich beschlossen werden, wird sich Anfang Juni 2020 zeigen. Dann will die Bundesregierung ein neues Konjunkturpaket beschließen, in dem es auch um eine Förderung der Automobilindustrie geht. Erste Gespräche gab es bereits am 05. Mai beim ersten “Autogipfel” mit Vertretern von Bund, Ländern und der Branche. Klimaaktivistin Luisa Neubauer nannte die Gespräche einen “Richtungsgipfel, der offen legt, wie ernst der Kanzlerin eine klimaverträgliche, nachhaltige und gerechte Coronapolitik tatsächlich ist".




Paul Dorn
Content Manager

Ich begeistere mich für alles, was schnell ist und schreibe am liebsten über die neuesten Innovationen aus der Automobilwelt.







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