E-Mobility: So weit ist unsere Ladeinfrastruktur

Die Bedeutung von E-Mobility und alternativen Antriebsarten wächst stetig. Doch wie weit ist die Ladeinfrastruktur in Deutschland überhaupt?

Ladeinfrastruktur in Deutschland – Status Quo

Button: Mehr zum Thema Alternative AntriebeDie Diskussionen über den Klimaschutz gewinnen immer mehr an Präsenz in der Öffentlichkeit – zuletzt haben Protestaktionen wie “Fridays for Future” medial flächendeckend die Runde gemacht, doch Ziele für den Klimaschutz gibt es schon seit vielen Jahren. Die Bundesregierung hat 2016 ein Marktanreizprogramm für Elektromobilität beschlossen. Diese gilt aktuell als Schlüssel für die klimafreundliche Mobilität von morgen. Ziel dieses Programmes ist der Ausbau der Stromladeinfrastruktur, welche maßgeblich für den Verkauf von Elektrofahrzeugen und damit essentiell bei der Etablierung von Elektromobilität ist. Dabei gibt es einiges zu beachten: Auf dem Markt gibt es verschiedene Ladevorrichtungen und nicht alle Varianten sind für alle elektrischen Fahrzeuge geeignet.

 

Verschiedene Lade- und Steckersysteme

Derzeit wird grob zwischen vier Arten von Ladestationen differenziert:

  1. Laden mithilfe einer Wallbox über gewöhnliche Steckdose mit 3,7 kW
  2. Sogenannte Normalladepunkte mit bis zu 22 kW
  3. Öffentliche Schnellladepunkte mit ca. 50 kW
  4. Tesla Supercharger mit einer Leistung von mehr als 120 kW
    (allerdings sind die meisten Elektrofahrzeuge damit nicht kompatibel)

Die Kosten für die jeweiligen Vorrichtungen variieren hierbei stark – so kommt man laut Deloitte allein bei den Investitionsausgaben auf ca. 25.000€ für einen Supercharger, während eine Normalladesäule im Schnitt nur 7.500€ kostet. Für das Geschäftsmodell eines Stromladeanbieters spielt die Art der Ladestation insofern eine wichtige Rolle, als dass sie die Dauer eines Ladezyklus bestimmt. Während ein e-Auto (abhängig von der Batteriekapazität) rund 2 – 4 Stunden an einer herkömmlichen, öffentlichen Ladestation angeschlossen sein muss, um den Akku komplett zu laden, dauert der Vorgang mit dem 120 kW Supercharger im Schnitt nur 20 Minuten. Die Bundesregierung ergreift daher aktuell Maßnahmen, um die Ladeinfrastruktur durch Förderungen im privaten Raum zu erleichtern. Denn für den Großteil der Elektroautos muss pro Zyklus eine längere Ladedauer eingeplant werden, wodurch sich vor allem Wohn- und Arbeitsstätte zum Laden eignen.

 

Auch auf die Reichweite kommt es an

Ein anderer Punkt, den man bei der Anschaffung eines Elektroautos im Hinterkopf haben sollte, ist die jeweilige Reichweite – niemand will unerwartet stehen bleiben, weil die Batterie leer ist. Gerade bei langen Strecken ist die sie angesichts der Ladedauer ausschlaggebend. Während der Nissan Leaf ZE1 eine Reichweite von 270 km hat, kommt der Hyundai Kona bei optimalen Bedingungen bereits auf 449 km und eignet sich daher besser für längere Fahrten als der Leaf.

 

Startschwierigkeiten auf dem Weg in die Elektromobilität

Allgemein hat sich die Anzahl vorhandener Ladestationen von Anfang 2018 bis heute mehr als verdoppelt.

Diagramm Entwicklung Ladeinfrastruktur

Schaut man sich allerdings die aktuellen Verkaufszahlen reiner Elektrofahrzeuge an, stellt man fest, dass diese noch nicht den ursprünglichen Prognosen und Zielen entsprechen. Eine Million Elektrofahrzeuge waren bis 2020 angestrebt. Nach ursprünglichen Schätzungen der Nationalen Plattform Elektromobilität sind dafür rund 70.000 öffentliche Ladesäulen notwendig – aktuell gibt es allerdings gerade einmal 17.400 Ladestellen.

 

Die Nachfrage ist vorhanden

Dabei ist das Interesse seitens der Bevölkerung da: Eine repräsentative Umfrage des BDEW hat ergeben, dass sich bereits 29% der Befragten über e-Fahrzeuge informiert haben und bei 5% der Befragten ist die Anschaffung eines solchen schon in Planung. Das liegt vor allem daran, dass der Anreiz für Investierende in Ladestationen aktuell noch nicht sehr hoch ist: Während Automobilhersteller auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur warten, um das Angebot an e-Autos zu erweitern, warten viele potentielle Betreiber von Ladestationen zur Zeit noch den Hochlauf von E-Mobility ab, ehe sie investieren. Ein wechselseitiges Problem also, das aktuell noch dazu führt, dass diese Technologie hierzulande etwas langsamer voranschreitet als erhofft. Hierbei muss man allerdings auch innerhalb Deutschlands differenzieren.

 

Regionale Unterschiede

Bei einem genaueren Blick auf die bundesweite Ladekarte fällt auf, dass einige Regionen in puncto Ladeinfrastruktur schon ziemlich gut ausgebaut sind, während diese woanders eher rar gesät sind. So sind in Berlin-Brandenburg ca. 762 Ladestationen vorhanden, allerdings entfällt ein Großteil davon auf Berlin. Je mehr man sich aus Berlin-Mitte entfernt und in Richtung des ländlichen Bereiches bewegt, desto geringer ist auch die Chance, auf eine e-Ladestation zu stoßen. Das gilt im Grunde genommen für alle größeren Städte, wobei das Stromladenetz im Westen Deutschlands bisher generell etwas besser ausgebaut ist. 

Karte Ladeinfrastruktur: Ladestationen für e-Mobility in Deutschland

Während das Stromladenetz in den meisten Großstädten schon gut ausgebaut ist, sind viele ländliche Gebiete noch nicht flächendeckend versorgt.

Fazit

Alternative Antriebe werden früher oder später die uns bekannten Verbrennungsmotoren ersetzen müssen – zur Zeit scheint das Elektroauto eine der vielversprechendsten Alternativen zu sein. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur ist vor allem in diesem Jahr enorm vorangeschritten, allerdings werden die ursprünglich geplanten Ziele für 2020 nicht erreicht. Unterschiede gibt es vor allem auf regionaler Ebene: Während urbane Gebiete schon gut versorgt sind, fehlt es in ländlichen Regionen noch an Ladesäulen. In der Stadt ist man mit dem Elektroauto in der Regel bereits sehr gut unterwegs. Wer auf dem Land lebt, sollte sich im Vorfeld gegebenenfalls informieren, ob und wo es in der Nähe öffentliche Ladestationen gibt. Ein guter Kompromiss wäre in diesem Falle auch, zunächst auf ein Hybridfahrzeug zurückzugreifen, bis eine wirklich flächendeckende Versorgung mit Stromladestellen gewährleistet ist. Jedoch schreitet diese immer weiter voran: Die Anzahl der Ladestellen hierzulande hat sich von 2018 bis heute mehr als verdoppelt.

 

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