Daimler – Dear Dr. Zetsche

Ikone, Koryphäe und Titan

geschrieben von Valentin Lennartz

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Daimler bekommt einen Nachfolger.

Wie der Internetseite daimler.com zu entnehmen ist, trat Herr Dr. Dieter Zetsche bereits 1976 im Alter von nur 23 Jahren in das Unternehmen der damaligen Daimler-Benz AG ein. Was für viele heute Traum und Lebensinhalt ist, wurde für ihn wahr – ein Platz in der Forschungsabteilung der damaligen Daimler-Benz AG. Wer hätte gedacht, dass dieser Mann 30 Jahre später an der Spitze der Daimler AG stehen würde? Wahrscheinlich nicht mal er selbst.

 

Kurz zu seiner Person: “Dr. Zetsche wurde am 05. Mai 1953 in Istanbul, Türkei, geboren. Nach der Schulzeit in Frankfurt und dem Abitur studierte er von 1971 bis 1976 Elektrotechnik an der Universität Karlsruhe mit dem Abschluss als Diplom-Ingenieur. 1976 trat er in den Forschungsbereich der damaligen Daimler-Benz AG ein. Dr. Zetsche promovierte 1982 an der Universität Paderborn zum Dr.-Ing.” ( Zitat: https://www.daimler.com/konzern/corporate-governance/vorstand/zetsche/)

 

Vielleicht sollte man auch vorab einmal klarstellen, wer Daimler überhaupt ist. Wir neigen oft dazu, wichtige Dinge zu vergessen – Daimler ist nicht nur der Konzern der für Mercedes-Benz und diverse anderen Automarken verantwortlich ist, sondern für das Auto selbst. Bitte vergessen Sie nicht: Daimler hat das Auto, so wie wir es kennen, maßgeblich geprägt. Deutschland ist ohne Mercedes und die Autoindustrie nicht mehr das Deutschland, das wir kennen und in dem wir groß geworden sind. Wir sind weltweit bekannt als das “Traumland” eines jeden Autofahrers und Autoliebhabers.

 

Natürlich kann man argumentieren, dass man in Dubai oder Abu Dhabi bessere, schönere, schnellere und vor allem teurere Autos findet, aber dies ist nur möglich, weil ambitionierte und passionierte Menschen mit mehr Benzin als Blut im Herzen engagiert genug waren, das Auto als solches durch Innovation und Tatendrang voranzutreiben und Dr. Dieter Zetsche trug einen maßgeblichen Teil dazu bei.

Daimler und seine Ikone

Getrieben von der ewigen Gleichung Bauch + Erfahrung / Beratung = schnelle Entscheidung (sehr passendes Zitat entnommen aus der SZ: https://sz-magazin.sueddeutsche.de/wirtschaft/einsame-spitze-79863)

hat er schon in jungen Jahren, noch als Student, ein Programm geschrieben, dass das Handling von Autos in Kurven verbesserte – damals wurden Autos und Elektronik oft noch als gegensätzliche Dinge verstanden. Dies ist heute nicht mehr der Fall – Autofahren wurde dank Pionieren wie Dr. Zetsche immer zugänglicher und einfacher zu fahren und damit vor allem eines: Sicherer!

 

Nach dem Eintritt in den Forschungsbereich der Daimler-Benz AG 1976 wurde Dr. Zetsche nach seiner Promovierung an der Universität Paderborn bereits 1986 Entwicklungsverantwortlicher für den Unternehmensbereich Geländewagen. Im Juli des gleichen Jahres das 50.000ste Exemplar der G-Klasse vom Band. Anschließend ging es für Dr. Zetsche nach Südamerika, wo er in den nächsten 3 Jahren erst Leiter des Entwicklungsbereiches bei Mercedes-Benz do Brasil, Mitglied der Geschäftsleitung und schließlich Präsident von Mercedes-Benz Argentina wurde, während 1989 in Berlin die Mauer fiel.

"Mit der E-Mobilität ist es wie mit einer Ketchup-Flasche: Man weiss, dass etwas kommt, doch nicht wann und wie viel..." Dieter Zetsche

Daimler-AG über Umwege.

Die nächsten 3 Jahre profiliert sich Dr. Zetsche noch in Übersee als Präsident der Freightliner Corp. bis er 1992 Stellvertretendes Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz AG für das Ressort Entwicklung im Geschäftsbereich Personenwagen in Deutschland wird.

Daimler und AMG.

1993 war ein denkwürdiges Jahr, als das erste gemeinsam entwickelte Auto von Mercedes-Benz und Aufrecht und Melcher in Frankfurt am Main vorgestellt wird  – quasi der Startschuss für die AMG-Modelle, so wie wir sie heute kennen: Der Mercedes-Benz C 36 AMG hat auf der Internationalen Automobil-Ausstellung vom 9. bis 19. September 1993 Premiere. Das Debüt vor 25 Jahren ist der erste Höhepunkt in einer einzigartigen Erfolgsgeschichte. Denn diese Hochleistungslimousine der Baureihe 202 entsteht als erstes gemeinsames Projekt von Mercedes-Benz mit dem 1967 gegründeten Ingenieurbüro AMG. Das Modellprogramm von Mercedes-AMG, seit 2005 eine hundertprozentige Tochter der Daimler AG, ist heute umfassender als je zuvor.

Der Mercedes-Benz C 36 AMG (Die Buchstaben AMG im Unternehmensnamen stehen für Aufrecht, Melcher sowie für Aufrechts Wohnort Großaspach) begeistert 1993 Fachwelt und Fans gleichermaßen. Das ist auch einer Vorgeschichte der Leidenschaft für Leistung im Zeichen des Mercedes-Sterns zu verdanken, die bis in die 1960er-Jahre zurückreicht: 1967 gründen Hans Werner Aufrecht und Erhard Melcher ihr Ingenieurbüro für Konstruktion und Versuch zur Entwicklung von Rennmotoren. Schon zuvor haben die beiden Mercedes-Benz Mitarbeiter privat Rennsportwagen auf der Basis von Serienautomobilen mit dem Stern aufgebaut. Nun wird die sportliche Optimierung von Kundenfahrzeugen für die Straße zum zweiten Standbein.

Daimler profiliert sich durch Höhen und Tiefen

Nun aber wieder zurück zu Herrn Dr. Zetsche. Schon kurz darauf (1995) wurde er Vorstandsmitglied für den Vertrieb bei der Mercedes-Benz AG.
Daimler war 1998 unter dem damaligen Vorstandschef Jürgen Schrempp mit dem US-Autohersteller Chrysler fusioniert. Im Dezember des Jahres wird Zetsche Vorstandsmitglied bei Daimler. Bei Chrysler greift der Manager hart durch und saniert das Unternehmen. 25.000 Stellen werden abgebaut und der US-Autohersteller wird zunächst aus den roten Zahlen geführt.

 

Das Image des knallharten Sanierers behält Dr. Zetsche auch weiterhin ganz gemäß seinem Motto “Ein Premium-Hersteller muss auch Premium-Profit machen.” Mit viel Respekt und voller Spannung verfolgt die Wirtschaftswelt die Aktionen des Dr. Zetsche.

 

Weil die Beteiligung an Chrysler Jahre später erneut Verluste einfährt wird diese 2007 an den Investor Cerberus für 5,5 Milliarden Euro verkauft und aus DaimlerChrysler wird die Daimler AG.

Dr. Zetsche kann man nicht ohne das Wort “Krisenmanagement” schreiben. Als im Zuge der weltweiten Finanzkrise nach 2008 Daimler ein Liquiditätsengpass drohte, schreibt man in Stuttgart Verluste in Milliardenhöhe. Es hilft ein Investment aus Abu Dhabi: Die Staatsholding Aabar Investment kauft 9,1% des Unternehmens und zieht sich bereits 3 Jahre später aus der Beteiligung zurück.

 

Als schließlich 2012 die A-Klasse neu interpretiert wird –  vom Rentnerauto zum jugendlich-modernen Straßenflitzer und zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für den Audi A3 oder BMW 1er – wird an dem Ziel “Marktführerschaft bis 2020” noch stark gezweifelt. Doch bereits ein Jahr später scheint sich die Neuausrichtung auszuzahlen und 2017 ist die Marktführerschaft im Premiumsegment wieder erreicht – 3 Jahre vor Plan wurde BMW der erste Rang abgelaufen.

 

Vor allem 2017 war ein besonders gutes Jahr für Mercedes, neben dem ersten Rang im Premiumsegment gab es viele weitere Errungenschaften:

 

  • Im vergangenen Jahr hat Mercedes-Benz rund 2,3 Mio. Pkw weltweit verkauft und damit den Absatz um 9,9% gesteigert.
  • Die Pkw-Sparte kommt insgesamt auf über 2,4 Mio. verkaufte Mercedes-Benz und smart in 2017.
  • 2017 war das siebte Rekordjahr in Folge für Mercedes-Benz und Mercedes-Benz Cars.
  • Der beste Jahresabsatz aller Zeiten wurde in den drei Kernregionen Europa, Asien-Pazifik und NAFTA erreicht.
  • Die Marktführerschaft konnte in den großen Märkten Deutschland und USA verteidigt werden.
  • Mit einer Steigerung von über 25% war China der am absolut stärksten wachsende und der größte Einzelmarkt von Mercedes-Benz.
  • AMG war im Jubiläumsjahr mit über 130.000 verkauften Fahrzeugen erstmals sechsstellig beim Absatz (+33,0%).

 

Vor kurzem hat der Konzern allerdings Rückschläge hinnehmen müssen: Der Diesel-Skandal und Kartell-Vorwürfe belasten das Unternehmen. Der Absatz ging zuletzt zurück, Daimler schraubte die ohnehin zurückhaltenden Erwartungen für das Jahr 2018 herunter. Im Juni ordnet die Bundesregierung einen amtlichen Rückruf mehrerer Diesel-Modelle an. Daimler kündigt an, mit den Behörden zu kooperieren.

Daimler bricht mit Investor aus Fernost zu neuen Ufern auf.

Außerdem kommt Mercedes nach der Neuordnung des chinesischen Händlernetzes im Jahre 2013 und trotz guter Absatzzahlen in China nicht mehr ohne eine chinesische Beteiligung aus – im Februar 2018 steigt der Autokonzern Geely ein. Sehr zur Überraschung von Politik und Zetsche selbst. Akribisch hat sich Li Shufu auf den Kauf der Daimler Aktien vorbereitet. Laut der Wirtschaftswoche wurde dieses Vorhaben hinter den Kulissen bereits seit Monaten mit diversen Banken vorbereitet. “…Li hielt seine 7,5 Milliarden Euro schwere Investition mit Hilfe von Mantelgesellschaften in Hongkong, Derivaten rund um Daimler-Aktien und sorgfältig strukturierten Optionsgeschäften unter der Decke – bis er auf einen Schlag größter Einzelaktionär in Stuttgart werden konnte, mit einem höheren Anteil als der Staatsfonds von Kuwait (knapp sieben Prozent).” so die WiWo. Dabei wurde jedoch nicht gegen geltendes Recht verstoßen, es war eine Überraschung für Jedermann. Die genutzten rechtlichen Schleichwege könnten manche als “dubios” oder sogar als “Coup des Jahrzehnts” bezeichnen. Wie komplex und ausgeklügelt dieser “Coup” war lesen Sie sich am besten selbst durch. (Link: WiWo https://www.wiwo.de/unternehmen/industrie/scheinfirmen-strohmaenner-aktiendeals-der-lange-weg-von-geely-chef-li-shufu-zum-daimler-coup/21028390.html)    – Li Shufus Plan: Digitalisierung und Elektrifizierung vorantreiben um jeden Preis.

 

In der Moderne angekommen, kämpft auch Mercedes-Benz mit den Zeichen der Zeit. Autonomes fahren und die E-Mobilität können nicht einfach ignoriert werden. Neue Mobilitätskonzepte wie car2go kommen auf den Markt und erreichen bereits binnen kürzester Zeit die Marktführerschaft. Auf rekordverdächtige Absätze folgen lange und harte Flauten, dies ist vor allem dem Dieselskandal und der damit einhergehenden WLTP Einführung geschuldet. Die digitale Konkurrenz für den Autohandel wächst, die Kundschaft wird wählerischer, vergleicht und bucht immer mehr online. Händler, die Ihr Geschäftsmodell nicht radikal verändern, stehen unter immer höher werdendem Druck.

 

Auch wir bei VEHICULUM erkennen, dass sich unser Geschäftsmodell hoher Beliebtheit erfreut. Es scheint die Zeit für etwas Neues angebrochen zu sein. Der Konsument möchte nicht mehr unzählige Stunden in Autohäusern verbringen, nur um sich mit undurchsichtigen Preisstrukturen und Verkaufsgesprächen zu beschäftigen. Die Zukunft liegt in der Transparenz und Vergleichbarkeit von Angeboten und wir bieten diesen Service 24/7 im Internet und in Echtzeit an. Wir sind gespannt, welche Herausforderungen auch in Zukunft auf den digitalen Autohandel zukommen und Sie dürfen gespannt sein, wie wir diese meistern werden.

 

Die Zeit musste leider kommen –  Dr. Zetsche gibt 2019 den Posten als Vorstandsvorsitzender auf und verlässt das Unternehmen 2021. Nicht immer beliebt aber immer effizient, so könnte man sein Leben beschreiben. Kaum jemand hat eine Industrie so geprägt wie er. Er begeistert mit seinem Einsatz nicht nur Mercedes-Benz-Fans sondern Menschen auf der ganzen Welt. Mercedes-Benz, so wie wir es heute kennen, ist zu einem großen Teil sein Lebenswerk.

 

Wir wünschen Herrn Dr. Zetsche die Zeit, alles zu regeln und wohlverdiente Ruhe.

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Quellen: https://media.daimler.com/marsMediaSite/de/instance/ko/Chronik-Tabellarischer-Lebenslauf-der-G-Klasse.xhtml?oid=9361727

https://media.daimler.com/marsMediaSite/de/instance/ko/Modellgeschichte-Die-Evolution-des-G.xhtml?oid=9361642

http://www.spiegel.de/fotostrecke/dieter-zetsche-ein-leben-fuer-daimler-fotostrecke-164057-16.html