VW-Urgestein Ferdinand Piëch ist tot

Er hat den VW-Konzern so stark geprägt wie kaum ein zweiter: Nun ist Ferdinand Piëch gestorben und wir blicken zurück.

Am vergangenen Sonntag (25. August 2019) ist der langjährige Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch in Rosenheim (Bayern) verstorben, nachdem er kurz vorher in einem Restaurant kollabierte. Er wurde damit 81 Jahre alt und hinterlässt 13 Kinder aus vier Beziehungen, seine Witwe Ursula Piëch und sein Lebenswerk. Viele sagen ihm nach, VW zum weltgrößten Automobilkonzern ausgebaut zu haben. „Volkswagen stünde ohne Ferdinand Piëch nicht da, wo wir jetzt stehen. Dafür schulden wir ihm unseren Dank und unsere Anerkennung“, kommentierte der VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh den überraschenden Tod.

Piëchs Lebenswerk

Ferdinand Piëch startete 1972 zunächst bei der VW-Tochter Audi als Hauptabteilungsleiter für Sonderaufgaben in der technischen Entwicklung. Sein Großvater ist übrigens Ferdinand Porsche, der in Stuttgart die Firma Porsche gründete. Am ersten Januar 1993 löste Piëch dann Carl Hahn als Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG ab. Das war zu einer für VW schwierigen Zeit, da VW hohe Verluste erwirtschaftete. Um das Unternehmen wieder zurück auf die Spur zu holen, konzentrierte sich der gelernte Maschinenbauer vor allem auf die Optimierung von Produktion und Qualität. Zudem arrangierte er sich mit den Gewerkschaften, erweiterte die Produktpalette und bereitete so beispielsweise den Einstieg VWs in das Hochpreissegment vor. 2002 wechselte Piëch dann in den den Aufsichtsrat, während Martin Winterkorn den Vorstand übernahm. Mittlerweile ist VW mit über 650.000 Angestellten und einem Umsatz von mehr als 200 Milliarden Euro der größte Automobilkonzern weltweit.

2015 distanzierte Ferdinand Piëch sich öffentlich von Martin Winterkorn – über die Gründe spekulierte man noch Jahre später – und trat wenig später aus dem Aufsichtsrat zurück, nachdem er den Machtkampf gegen Winterkorn verlor. Dies läutete das Karriereende des Österreichers ein, der   sich im Anschluss nach und nach aus der Öffentlichkeit zurückzog.

Wir als Betriebsräte waren nicht immer in allen Fragen einer Meinung mit unserem früheren Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratsvorsitzenden. Aber wir blicken mit Respekt und Achtung auf sein großes Lebenswerk.

Eine besondere Ära geht zu Ende

Sein autoritärer und polarisierender Führungsstil führte dazu, dass er von vielen Menschen geschätzt, aber auch von vielen kritisiert wurde. Piëch selbst schrieb so etwa in seiner Autobiografie: “Mein Harmoniebedürfnis ist begrenzt.” So war er zu Lebzeiten weitestgehend bei den meisten Menschen kein Sympathieträger. Für seine “Machermentalität” und sein Schaffen wird er dennoch auch außerhalb von VW-Kreisen bewundert.

So etwa in der Politik. „Mit Ferdinand Piëch ist einer der großen Unternehmer in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland verstorben. Mit seinem Namen ist der Aufstieg von Volkswagen zum Weltkonzern verbunden.“, sagt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil.

 

Wir sind in Gedanken bei Ferdinand Piëchs Familie, allen voran seiner Frau und seinen Kindern, und hoffen, dass er jetzt in Frieden ruhen kann.